Video – „Wenn wir wahren Frieden in der Welt erlangen wollen, müssen wir bei den Kindern anfangen“

Das Thema Krieg bei uns Erwachsenen:

Wer hätte das gedacht? Ein Krieg in Europa im Jahr 2022. Sollten wir nicht eigentlich aus der Geschichte gelernt haben und wissen, welches unermessliche Leid ein Krieg für die Menschheit mit sich bringt? Dass Hass und Gewalt nicht wirklich zur Konfliktlösung beitragen. Und doch kann ein Streit so eskalieren, dass die Vernunft nicht mehr greift. Wir blicken fassungslos auf Russland und die Ukraine und sehen mit an, wie seit dem 24. Februar Menschen gegeneinander kämpfen, zerstören, verletzt werden und sogar sterben. Und dies nicht einmal 1.900 km von uns in Burscheid entfernt. Dies ist in etwa so viel wie von hier nach Madrid.

Wir als Erwachsene können diese Situation schon kaum „packen“ und fühlen uns hilflos und ohne große Handlungsmöglichkeit. Bei manchen von uns stellt sich Unsicherheit oder gar Angst ein. Wie wird es weitergehen? Inwiefern wird sich diese Situation ggf. zuspitzen und uns selbst betreffen? Hier in Burscheid. Wann ist dieser Spuk wohl endlich vorbei? Wenn selbst wir als Erwachsene die Tragweite nicht verstehen können und uns unsicher fühlen, so wird es für Kinder oftmals noch schwieriger sein, das Ganze zu begreifen.

Film – Gemeinsam für den Frieden

Gemeinsam für den Frieden

Das Thema Krieg bei Kindern:

Kindern ist das Thema Streit grundsätzlich sehr wohl bekannt – aus eigenen Konflikten mit Gleichaltrigen oder bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Eltern und anderen Erwach-senen. Doch mit dem Thema Krieg sind gerade Kindergartenkinder meist noch nicht zuvor in Berührung gekommen. Sehr wohl gibt es natürlich – auch vor allem seit 2014/2015 – in Kitas solche Kinder, die bereits in jungen Jahren aufgrund von Krieg oder Verfolgung mit ihrer Familie aus ihrem Land flüchten mussten und in Deutschland ein neues Leben begonnen haben. Diese Kinder haben schon früh erfahren müssen, was Krieg und Flucht bedeutet und kamen zum Teil stark traumatisiert bei uns an. In der Sonnenblume hatten wir bisher keine dieser Kinder. Insgesamt haben Kinder ein sehr feines Gespür, sind neugierig und wissen, wenn etwas „in der Luft liegt“. Sie bekommen mit, wenn Eltern oder Erwachsene besorgt sind oder spüren deutlich, wenn Eltern Angst haben – was sich dann schnell auf die Kinder übertragen kann. Grundsätzlich ist es unmöglich, Kinder vor dem abzuschirmen, was in der Welt so los ist. Wenn nicht zu Hause, so bekommen sie spätestens in Kita oder Schule mit, was die Menschen aktuell beschäftigt. Auch die Kindernachrichten im Fernsehen greifen aktuelle Themen des Weltgeschehens auf und thematisieren dies kindgerecht.

Daher gilt es, Kinder ernst zu nehmen und auf sie einzugehen!

Jedes Kind reagiert anders auf solche schlechten Nachrichten. Manche interessiert es wenig, andere wiederum zeigen sich besorgt oder haben sogar Angst. D. h. Kinder nehmen eine Kriegssituation ganz unterschiedlich und sehr individuell wahr. Als Eltern und auch in der Kita ist es äußerst wichtig, Kinder in solchen Zeiten gut zu beobachten und sie zu begleiten. Ganz wichtig ist es zudem, Kinder mit ihren Fragen und Sorgen ernst zu nehmen und vor allem ehrlich zu ihnen zu sein. Das Thema herunterzuspielen oder zu beschönigen, bringt wenig, da sie sowieso merken, wenn die Erwachsenen beunruhigt sind. Wenn Kinder Fragen haben, macht es Sinn, diese mit ihnen zu klären und mit einfacher und klarer Sprache konkret darauf zu antworten. Vor allem haben Kinder ein gutes Gefühl für sich selbst und zeigen deutlich, wenn sie sich nicht weiter damit befassen wollen. Es ist ratsam, Kinder nicht zu überfordern und nur die Fragen zu beantworten, die sie von sich aus stellen. Wenn sie keine weiteren Fragen haben, ist es nicht nötig, weiter zu erzählen. Wenn wir Erwachsenen selbst keine befriedigenden Antworten haben, dürfen wir auch das zugeben und zeigen, dass auch wir unsicher sind oder ein komisches Gefühl haben – es ist normal, vor unbekannten Dingen Angst zu haben, allerdings müssen wir auch keine schlimmen Ängste provozieren. Was wir machen können, ist, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie bei uns zu Hause oder in der Kita sicher sind, auch wenn es in anderen Teilen der Welt nicht so ist. Unser Zuhause und unsere Kita sind Orte des Friedens.


Aber wie erklären wir Kindern nun den Krieg – kindgerecht und sensibel?

Man muss ihnen erklären, was genau passiert. Sagen, was los ist. Wir können ihnen erklären, dass sich erwachsene Menschen gerade sehr stark streiten, dass die Menschen aus einem Land noch mehr Macht haben und ihr Land vergrößern möchten und sich das nehmen, was eigentlich anderen Menschen gehört. Dies machen sie mit Gewalt, wodurch die Menschen aus dem anderen Land verletzt oder sogar getötet werden. Dies nennt man Krieg.


Aufarbeitung des Themas in der Kita Sonnenblume

„Du hast angefangen“ – Wie Streit entsteht

Bei Kindergartenkindern ist es natürlich empfehlenswert, dies ihrer Lebenswirklichkeit anzupassen, denn ansonsten bleibt es zu abstrakt. In unseren 5 Gruppen schauten sich die pädagogischen Fachkräfte gemeinsam mit den Kindern folgendes Video an:

https://www1.wdr.de/mediathek/av/video-du-hast-angefangen-100.html

Hier geht es um 2 Monster, die eine unterschiedliche Sichtweise haben und die des anderen nicht akzeptieren wollen. Sie beginnen, sich zu beleidigen, bewerfen sich mit Steinen und zerstören letztendlich einen Berg, der zwischen ihnen liegt. Am Ende erkennen sie, dass sie beide Recht hatten und versöhnen sich.

Nach dem Film wurde jeweils im Stuhlkreis gemeinsam das Thema „Streit“ besprochen. Wer hatte selbst schon einmal mit jemandem Streit oder wer hat Streit bei Erwachsenen miterlebt? Natürlich ist dies bei jedem Kind der Fall. Sie streiten mit Geschwistern und Freunden oder haben auch Elternteile schon beim Streit miterlebt. Das Thema ist ihnen wohl bekannt. Ebenso stellte sich heraus, dass sie durch Fernsehen oder Erwachsene auch bereits wissen, dass aktuell Krieg ist. Sie wissen, dass Waffen und Bomben eingesetzt werden. Man ist sich jedoch einig, dass es viel schöner ist, sich zu vertragen als sich zu streiten. Dass es nicht gut ist, mit Steinen zu werfen, weil man sich damit töten kann.

Wenn man sich die Hand gibt und wieder verträgt – das nennt man FRIEDEN!

Schon Kinder wissen früh, dass Harmonie und Frieden etwas sehr Wichtiges ist, da es die Grundvoraussetzung für das eigene Sicherheitsgefühl und Wohlbefinden ist. Aufzugreifen, dass wir hier in Deutschland das Glück haben, in Sicherheit und in Frieden zu leben, ist für sie beruhigend.


Was können wir hier in der Sonnenblume tun? – Zeichen setzen!

Es fällt uns Menschen schwer, bei solch einer Katastrophe wie einem Krieg untätig zuzusehen und „nichts machen zu können“. Wir möchten aktiv etwas tun und unsere Gefühle zum Ausdruck bringen. Das ist ein menschliches Bedürfnis. Im Team diskutierten wir darüber, welches Zeichen wir hier in der Sonnenblume setzen können. Ganz bewusst und einstimmig war für uns klar, dass wir keine gelb/blauen Motive oder Fahnen in Anlehnung an die ukrainische Landesflagge an unserer Einrichtung anbringen möchten. Bei diesem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine sind auf beiden Seiten überwiegend unschuldige Menschen betroffen, die am liebsten einfach in Harmonie und Frieden miteinander leben möchten, die zum Teil miteinander verwandt sind und welche diesem Krieg schutzlos ausgeliefert sind. Wir möchten hier mit Absicht ganz neutral bleiben und nicht für oder gegen ein Land Stellung beziehen. Wir haben u. a. russische Kinder in der Einrichtung, und es liegt uns fern, in dieser Situation Schuldige zu suchen und ggf. bei Kindern oder Familien negative Gefühle auszulösen.

Vielmehr stehen für uns Zeichen des Friedens im Vordergrund.

Wenn sich Erwachsene und Kinder gleichermaßen Frieden wünschen, so ist es doch schön, dies zu zeigen und ein Zeichen zu setzen – so wie es derzeit überall auf der Welt geschieht. Auch wir möchten nach außen hin verdeutlichen, dass Frieden ein hohes Gut ist, für das wir einstehen und dessen Wichtigkeit wir auch schon den Kleinen hier bei uns in der Einrichtung vermitteln möchten. Mit Eifer begaben sich die pädagogischen Fachkräfte und Kinder an verschiedene Basteleien. So entstanden Friedenszeichen und Friedenstauben aus Papptellern, mit denen wir unsere Einrichtung schmücken möchten. Auch bestellten wir neue Bücher, die das Thema „Streit, Krieg, Frieden, Versöhnung und Freundschaft“ aufgreifen. Auch in den nächsten Wochen wird es wichtig sein, mit den Kindern bei diesem Thema am Ball zu bleiben.

„Dankeschön“ an den Diözesan-Caritasverband Abteilung Tageseinrichtung für Kinder

Ganz zeitnah und aktuell wurden die katholischen Kindertagesstätten im Erzbistum Köln mit Informationen versorgt, die das Thema „Krieg und Kinder“ behandeln. Dies ist hilfreich, um solch eine schwierige Thematik altersgerecht und professionell aufzugreifen und die Kinder gut abholen zu können.


Ausblick

Die Entwicklung in der Ukraine werden wir weiterverfolgen können. Wir sind sicher, dass uns diese Problematik noch weiter beschäftigen und sich auch auf unseren Alltag auswirken wird. Wir als Einrichtung werden den Kindern in dieser Zeit weiterhin Halt und Begleitung bieten und uns darüber hinaus dort einsetzen, wo es möglich ist und wo es Menschen hilft. Mitmenschlichkeit und Frieden – hierfür steht die Caritas Kindertagesstätte Sonnenblume! Und dies ist das, was wir unseren Kindern von klein an vermitteln möchten.


Literaturverzeichnis

Nachfolgend die Liste der Bücher, die zum Thema Krieg, Streit, Flucht usw. bei uns in der Einrichtung verfügbar sind:

Thema

Buchtitel Autor

Verlag

Streit, Meinungsver-schiedenheit, Versöh-nung Du hast angefangen!  Nein, du! David McKee Sauerländer
Krieg, Obdachlosigkeit Der Anfang Paula Carballerira, Sonja Danowski Bohem
Asyl und Flucht Akim rennt Claude K. Dubois Moritz
Flucht nach Europa über dem Meer Flucht Niki Glattauer und Verena Hochleitner Tyrolia
Menschlichkeit, anderen helfen, Flüchtlinge aufnehmen Eine Wiese für alle Hans-Christian Schmidt, Andreas Német Klett Kinderbuch
Teilen, streiten,

wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte

Zwei für mich, einer für dich Jörg Mühle Moritz
Streit und Gier nach Essen, Versöhnung und Teilen Die Streit-Hörnchen Rachel Bright, Jim Field Natürlich magellan
Das Leben der Flüchtlingskinder im Lager Kara Tepe auf Lesbos Manchmal male ich ein Haus für uns – Europas vergessene Kinder Alea Horst, Mehrdad Zaeri Klett Kinderbuch
Befehle eines Generals, die am Ende nicht beachtet werden Hier kommt keiner durch! Isabel Minhós Martins, Bernardo P. Carvalho Klett Kinderbuch
Traurigkeit und wie die Sorgen auch wieder verfliegen können Heute nicht – Doch vielleicht morgen? Timon Meyer, Julian Meyer Diogenes
Flucht und Migration Wie ist es, wenn man kein Zuhause hat? Ceri Roberts, Hanane Kai Gabriel
Armut und Hunger Wie ist es, wenn man arm ist? Louise Spillsbury, Hanane Kai Gabriel
Ungerechtigkeiten Wie ist es, wenn man anders ist? Louise Spillsbury, Hanane Kai Gabriel
       
Obdachlosigkeit, Toleranz Kein Bett in der Nacht Maria Ines Almeida, José Almeida de Oliveira Knesebeck
Angst, sich verlaufen, Hilfe erleben Der große und der kleien Igel – Ich hab doch keine Angst! Britta Teckentrup Jacoby Stuart
Gut und böse, Mitleid Böse Lorenz Pauli und Kathrin Schärer Atlantis

Gleichheit, Andersartigkeit, Vielfältigkeit, Akzeptanz, Selbstliebe:

Thema

Buchtitel

Autor

Verlag

Gleichheit/

Andersartigkeit

Ich bin wie du

Ich bin anders als du

Das große Buch

Constanze von Kitzing

Carlsen

       

Akzeptanz und Liebe

Teddy Tilly

Jessica Walton und Dougal MacPherson

Sauerländer

Vielfältigkeit in der Kita

Kita Kunterbunt, Komm, wir zeigen dir unsere Kita

Constanze von Kitzing

Carlsen

Vielfältigkeit, Völker der Erde

Wir Kinder der Welt

Moira Butterfield, Harriet Lynas

Sauerländer

Die Anleitung zur Selbstliebe, Ermutigung für Jungen, sie selbst zu sein

Sei ein ganzer Kerl

Jessica Sanders, illustriert von Robbie Cathro

Zuckersüß Verlag

Ermutigung für Jungen, die Dinge anzunehmen, die ihn einzigartig machen

Ein Junge wie du

Frank Murphy, Kayla Harren

Zuckersüß Verlag

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